Gendern und SEO

8. Mai 2021 Alex Rasper
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Lesezeit: 6 Min.
Aktualisiert am 08.05.2021

Zusammenfassung des Beitrags:

Im Zuge der Veränderung des generischen Maskulinums hinzu genderneutralen Ausdrucksweisen in der deutschen Sprache stellt sich in der Suchmaschinenoptimierung die Frage, ob ein inklusives Schriftbild in crawlbaren Inhalten ein Nachteil für die Auffindbarkeit in Suchmaschinen darstellt. Leider muss die Antwort hier oft bejaht werden, denn Googles Algorithmus verhält sich immer noch wie ein alter, weißer Mann aus den US-amerikanischen Südstaaten. Wir zeigen dir in diesem Beitrag Möglichkeiten auf, wie du gendersensibel Inhalte aufbereitest und die Schwäche der Algorithmen umgehen kannst. Falls du es eilig hast, kannst du hier direkt zu unserer Empfehlung für das Gendern im SEO springen.

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Gendern und SEO: Wo liegt das Problem?

Wie auch an vielen anderen Stellen im aktuellen Sprachgebrauch dominieren online ebensoviele Inhalte mit maskuliner Sprachausrichtung. Eine Texterin, ein SEO-Experte und Online Redaktionen stehen gezwungenermaßen immer vor der Entscheidung, ob sie sich aktuellen Sprachentwicklungen (völlig zurecht) anpassen oder doch nur auf die maskulinen Begrifflichkeiten optimieren, da diese ein schier unendlich höheres Suchvolumen haben. Die Lücke zeigt sich nicht nur in den stark unterschiedlichen Suchvolumina, sondern auch in der Anzahl der indexierten Seiten.

Genderstudie Online Marketing

Die Verteilung von Frauen und Männern in deutschen Online Marketing Agenturen

Unser Beispiel zeigt, dass die Summe der indexierten Seiten zur Suchanfrage Grafikerin mit knapp über 737.000 Ergebnissen nur 0,3 Prozent der Ergebnissumme der maskulinen Variante (210.000.000) erreicht. Erstaunlich ist ebenso, dass die in Leipzig abgesetzte Suchanfrage Grafiker zu MyBusiness Einblendungen via Google Maps führte, während die weibliche Variante Videos als Special Content Result Block ausgespielt hat.

Auch der Blick in Google Trends bestätigt die Kluft zwischen der maskulinen Einzahl bzw. Mehrzahl gegenüber gendersensiblen Varianten. Im Schnitt lag der Anteil an femininen bzw. genderneutralen Suchbegriffen weit unter dem Suchinteresse an der maskulinen Form oder war so gering, dass Google es nicht einmal aufzeichnete.

Doch wie gehst du jetzt damit um? Es wäre müßig, darüber zu diskutieren, ob nun Google einfach nur zu träge lernt oder sämtliche Webseiten das Thema nur äußerst selten proaktiv umsetzen. Wenngleich das Bewusstsein beider Seiten zur genderneutralen Sprache zu Grafiker*in zunimmt, müsste man aus rein wirtschftlichen und reichweitegenerierenden Gesichtspunkten auf die altbackene Sprachvariante optimieren.

So lange die Webseitenbetreiber:innen als auch Goole nicht mehr zu diesem Thema veröffentlichen bzw. indexieren und die Nutzer:innen noch nicht gendergerecht googeln, beschneidest du dich in der Sichtbarkeit und Reichweite sehr stark, sobald du dich auf eine strikte Genderschreibweise festlegst.

Schreibweisen für das Gendern in Online Texten

Im Grunde genommen gibt es für die Frage, wie man auf einer Website Texte gendern will, zwei Ansatzpunkte:

Wie möchte ich gendern?
Wieviele Suchende möchte ich mit meinen Keywords erreichen?

Für die erste Frage spielt es eine Rolle, ob du entweder nur Frauen und Männer oder inklusiv jegliche Formen von Geschlechtern in deinen Texten abdecken möchtest. Die zweite Frage bezieht sich etwas auf das aktuelle Suchverhalten von User:innen, da wie in unserem Fallbeispiel deutlich häufiger das männliche Keyword gesucht wird, obwohl damit weder das weibliche noch das diverse Geschlecht absichtlich exkludiert werden sollen. Rein aus der Sicht performancegetriebener Texter:innen müsste jeder Inhalt immer auch auf die männliche Variante optimiert werden, da sonst wichtige Suchanfragen im Ernstfall nicht bedient werden und du nicht gefunden werden kannst.

Glücklicherweise existieren sowohl für die Content Ausrichtung auf Frau und Mann als auch für inklusives Gendern Lösungen, welche es möglich machen, genderkonform zu schreiben und dabei gleichzeitig auch die männlichen Suchvolumina abzugreifen.

tipps

Genderschreibweisen für Frau und Mann

Männliche Form: Grafiker
Weibliche Form: Grafikerin
Binnen-I: GrafikerIn
Schrägstrich: Grafiker/in
Paarform: Grafiker und Grafikerin

Genderschreibweisen inklusive aller Geschlechter

Doppelpunkt: Grafiker:in
Unterstrich: Grafiker_in
Gender-Sternchen: Grafiker*in

mw

Wir haben die Top 30 Rankings bei Google (Stand April 2021, Standort Leipzig) zu den verschiedenen Schreibweisen von Grafiker hinsichtlich ihrer rankenden Begriffe untersucht.

Empfehlenswert für ein suchmaschinenoptimiertes Gendern von Frau und Mann ist tasächlich die Paarform. Das Binnen-I wird vom Algorithmus immer als die weibliche Begrifflichkeit gelesen. Der Schrägstrich wird größtenteils als die männliche Variante interpretiert. Beide Varianten verwehren Rankings zur jeweils anderen Geschlechtsbezeichnung des Berufes bzw. der Dienstleistung.

Bei der Wahl eines komplett inklusiven Schriftbildes für deine Texte empfehlen wir ganz klar das Gendern mit Doppelpunkt. Google interpretiert Grafiker:in sowohl als Grafikerin als auch Grafiker. Grafiker_in wird hingegen sehr häufig als die weibliche Form gelesen und die Variante mit Gender-Sternchen führt häufig zur Kategorisierung als männliche Schreibweise.

Der Klickstream Tipp
Um einerseits die Integration aller Geschlechter zu gewährleisten und andererseits keine Rankingnachteile bei Google und anderen Suchmaschinen zu erhalten, empfehlen wir das Gendern mit Doppelpunkt. Diese Schreibweise beinhaltet für Google sowohl das feminine als auch maskuline Geschlecht. Zudem werden durch die Inklusivität keine weiteren Geschlechtervarianten ausgeschlossen. Allerdings hat diese Genderschreibweise einen Nachteil, der dann zum tragen kommt, wenn die männlichen Begriffe nicht in ihrer Gänze im Wort vorkommt. Als Beispiel soll hier Expert:in dienen. Ungleich unseres Fallbeispiels von Grafiker:in (welches die männliche Variante Grafiker beinhaltet), kann Expert:in keine Rankings für Experte aufbauen. In einer solchen Konstellation empfehlen wir im Rahmen unserer Online Marketing Beratung immer einen ausgeglichenen Einsatz aller Geschlechterschreibweisen.

5 Tipps fürs Gendern im SEO

Damit das Gendern auf einer Website oder einem Blog erfolgreich ist und du für deine gesamte Zielgruppe Relevanz aufbauen kannst, kommst du in einigen speziellen Fällen nicht um den Einsatz des generischen Maskulinums herum. Jedoch kannst du diesen Umstand auch kreativ zugunsten gendersensibler Formulierungen und Inhalte nutzen.

Qualitative und vollumfängliche Inhalte für User:innen

SEO und Gendern hin oder her: Ohne qualitative, umfängliche Inhalte und den Grundlagen der Suchmaschinenoptimierung, wirst du nachhaltig keine organischen Suchmaschinenrankings erzielen und gefunden werden. Schreibe deine Inhalte lesbar, verständnisvoll und sorge für die bestmögliche Nutzungserfahrung auf deiner Webseite. Konfiguriere deine Zielseiten so, dass sie technisch einwandfrei crawlbar sind und verlinke intern wie extern auf weiterführende Informationen. Grundsätzlich sollten unter dieser Prämisse alle genderneutralen, femininen und maskulinen Ausdrucksweisen ihren Einzug erhalten.

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Themenbereich in den Vordergrund stellen

Stelle das Thema oder die Leistung mehr in den Vordergrund als die handelnden Personen. Bei diesem Ansatz macht es beispielsweise Sinn, eher auf Grafikdesign statt auf Grafikdesignerin oder ähnliche Schreibweisen zu optimieren. Zwar hat Grafikdesign mitunter etwas weniger Suchvolumen als Grafikdesigner, dennoch erreichst du so eine deutlich größere Anzahl an suchenden Nutzergruppen.

Genderneutrale Ausdrucksweisen wählen

Finde für deine Inhalte genderneutrale Begrifflichkeiten und Synonyme. Statt Chef oder Chefin können auch die Bezeichnungen Führungskreis oder Geschäftsleitung eingesetzt werden. Für Online Marketing Manager oder Sales Managerinnen eignen sich beispielsweise Personal im Online Marketing oder das Sales Management Team.

Symmetrischer Einsatz von Geschlechterbeispielen

Wie du sicher schon bemerkt hast, bemühen wir uns in unseren Artikeln um eine möglichst große Bandbreite an Genderschreibweisen. Wir haben uns neben dem Gendern mit Doppelpunkt bewusst dazu entschieden, maskuline, feminine und gruppenbezogene Beispiele explizit anzusprechen (s. erste Zeile Abschnitt 1.). Nur so kann sichergestellt werden, dass neben der bevorzugten sensiblen Ansprache auch Sichtbarkeit für die weit verbreiteten maskulinen als auch die weniger verbreiteten femininen Suchbegriffe generiert wird. Wir nutzen alle exisiterenden Genderschreibweisen auch an weniger prominenter Stelle, z.B. als Alt Tags bei Bildern.

Übermäßige Zeichensetzung vermeiden

Wir haben uns ebenso bewusst gegen Schreibweisen mit einem Schrägstrich (/) oder Gendersternchen (*) entschieden. Den Grund dafür liefert ein Blick in Googles Quality Guidelines. Google definiert qualitative Inhalte dahingehend, dass sich diese durch fehlerfreie Rechtschreibung und Ausdrucksweise auszeichnen. Übertriebene und falsche Zeichensetzung sind laut Google ein Indikator für eine geringere Seitenqualität. Zugegebenerweise wissen wir nicht genau, ab welcher Zeichenfolge so ein Fall eintritt, wir halten es aber insbesondere bei Schreibweisen mit Artikeln und Adjektiven für deutlich wahrscheinlicher. So könnte “ein/-e gute/-r Manager/-in” unter Umständen eher als unzureichende Grammatik eingestuft werden als die Merzahlansprache “gute Manager:innen” mit Doppelpunkt oder einfach “gutes Management” oder “gut Managende”.

Wie sieht die Zukunft im gendergerechten SEO aus?

Bis neue Genderschreibweisen mit gleicher Relevanz bisheriger Ausdrucksweisen Einzug in Suchmaschinen halten, wird noch ein Weilchen vergehen. Einserseits steht der Bewusstseinsprozess von Suchenden und Webseitenbetreiber:innen noch am Anfang und andererseits ist Googles Algorhitmus noch nicht so weit, gendergerechte Suchanfragen für indexierte maskuline Varianten ausreichend zu interpretieren. Wir werden den Prozess beobachten und unsere Erkenntnisse den aktuellen Entwicklungen anpassen.

ausblick

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